„Ist Edelstahl magnetisch?“ – Alles über magnetische Metalle & Bleche

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„Ist das Material magnetisch?“ Diese Frage erhält unser Support sehr häufig. Meist zielt die Frage darauf ab, ob das Blech für eine Magnettafel zu gebrauchen ist oder ob Kühlschrankmagnete daran haften. Manchmal auch, ob es für ein Induktionskochfeld geeignet ist.
Hinter dieser vermeintlich einfachen Frage steckt eine Menge Physik – und gelegentlich auch so manches Missverständnis.

Hier wollen wir mit den Irrtümern aufräumen, damit Sie auch wirklich das Material bestellen, das Sie brauchen.

1. Ein kurioses Missverständnis: „Magnetisch“ vs. „Ein Magnet“

Bevor wir langsam in die Werkstoffkunde gehen, zunächst ein wichtiger Punkt, der manchmal für Verwirrung sorgt: Wenn unsere Produktbeschreibung von einem „magnetischen Blech“ spricht, bedeutet das, dass das Material ferromagnetisch ist.

Das bedeutet: Ein Magnet bleibt am Blech haften. Das Blech selbst ist kein Magnet!

Es zieht keine Büroklammern oder andere Metallteile an, es ist lediglich der „Partner“ für einen Magneten.

2. Welche Metalle sind von Natur aus magnetisch?

In der Schule haben wir gelernt: Von Natur aus sind drei alltägliche Elemente (bei Raumtemperatur) magnetisch:

– Eisen (Fe)
– Nickel (Ni)
– Cobalt (Co)

Das sind die drei „klassischen“ ferromagnetischen Elemente, die wir im industriellen Maßstab in Metalllegierungen verwenden. Auch das seltene Ruthenium weist bei Raumtemperatur ferromagnetische Eigenschaften auf, sowie einige Elemente aus der Gruppe der Lanthanoide – jedoch bei tieferen Temperaturen.

In ferromagnetischen Materialien richten sich die magnetischen Momente der Atome in einem Magnetfeld parallel aus.

Alle anderen Metalle – wie Aluminium, Kupfer, Titanzink, Messing, Blei oder Titan – werden von unseren Magneten nicht (oder zumindest nicht deutlich erkennbar) angezogen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es neben dem Ferromagnetismus auch noch andere Arten von Magnetismus gibt. Doch wir möchten hier keinen Deep Dive betreiben – in der Umgangssprache wird unter Magnetismus praktisch ausschließlich der Ferromagnetismus verstanden.

3. Ist Edelstahl magnetisch?

Hier wird es für unsere B2B-Kunden und ambitionierten Heimwerker spannend. Denn in der Gerüchteküche gibt es zwei Fraktionen, die kaum weiter auseinanderliegen könnten: 

‚Guter Edelstahl ist nicht magnetisch‘ vs. ‚Edelstahl ist hochwertig, also müssen Magnete daran haften‘.

Die Realität ist: Das lässt sich so pauschal nicht sagen! Es kommt auf die Legierung und das Gefüge an – und mit Qualität hat das Ganze auch nichts zu tun.

Der umgangssprachliche Sammelbegriff „Edelstahl“ ist erst einmal eine Bezeichnung für legierte oder unlegierte Stähle mit einem besonderen Reinheitsgrad der Schmelze. Um bestimmte Materialeigenschaften zu erreichen, werden der Stahlschmelze verschiedene Legierungsbestandteile beigefügt. So werden z. B. die Korrosionsbeständigkeit, Härte, Zerspanbarkeit, Leitfähigkeit, Temperaturbeständigkeit oder Schweißeignung beeinflusst – und auch die Gefügebildung bzw. die Kristallstruktur des Werkstoffs.

Diese Kristallstruktur des reinen Eisens und seiner Mischkristalle bestimmt die Magnetisierbarkeit des Materials.

Es gibt drei hauptsächliche Gefügearten bei Edelstahl:

– austenitisch
– martensitisch
– ferritisch

Welche sind jetzt magnetisch?


Austenitischer Edelstahl (V2A) – nicht magnetisch

Das lässt sich durch die Kristallstruktur erklären, die durch die Beigabe von Nickel stabilisiert wird.

Ferritischer und martensitischer Edelstahl (z. B. 1.4016) – magnetisch

Aber, Fun Fact: Manchmal haftet ein Magnet an den Schnitt- oder Biegekanten eines Edelstahlblechs, aber nicht in der Mitte. Das liegt an der Bearbeitung!

Durch mechanische Bearbeitung (Biegen, Stanzen, Ziehen) kann sich bei vielen austenitischen Stählen das Gefüge lokal verändern: Es kommt zum sogenannten Verformungsmartensit. Der Stahl wird an dieser Stelle leicht magnetisch – die Korrosionsbeständigkeit bleibt dabei meist erhalten. Die Qualität des Stahls ändert sich nicht.

Diese als Kaltverfestigung bekannte Gefügeveränderung ist auch der Grund, warum das Bohren in Edelstahl so schwierig ist: Durch den Druck und die Reibung härtet das Material an der Bohrstelle lokal auf. Normale Bohrer würden hier extrem schnell ausglühen und somit unbrauchbar werden.

Zum Bohren von Edelstahl benötigen wir also sehr hochwertige Bohrer, mindestens aus HSS (Hochleistungsschnellstahl). Diese können auch gerne titan-nitridbeschichtet sein (oft erkennbar an der goldgelben Farbe), besser sind aber spezielle kobaltveredelte Edelstahlbohrer, HSS-E oder HSS-Co genannt, mit 5–8 % Cobaltgehalt oder gleich Vollhartmetallbohrer.

Ach ja: Es gibt auch eine Werkstoffgruppe von austenitisch-ferritischen Duplexstählen, die ein Mischgefüge aus Austenit und Ferrit aufweisen. Diese zeigen beeindruckende mechanische Eigenschaften, eine enorme Korrosionsbeständigkeit und sind je nach relativem Gehalt der Austenit- und Ferritphasen unterschiedlich stark magnetisch – aber wir wollen uns nicht in Details verlieren.

4. Welches Blech eignet sich für eine Magnetwand?

Soll ein Magnet am Blech haften (z. B. für eine Magnetwand)?
Wählen Sie verzinktes Stahlblech oder ferritischen Edelstahl wie 1.4016 aus unserem Shop.
Achtung: An „normalem“ 1.4301 bzw. V2A-Edelstahl halten Ihre Urlaubsmagnete in der Regel nicht!

5. Welches Metall ist für Induktionskochfelder geeignet?

Für eine Grillplatte, Plancha oder Teppanyaki-Platte, die auf einem Induktionsfeld heiß werden soll, muss das Material magnetisch leitfähig sein. Wählen Sie hier am besten eine Platte aus einfachem S235JR, die Sie gemäß unserer Anleitung zum Einbrennen eines Backstahls vorbereiten.


Aluminium oder klassischer V2A-Edelstahl wird auf Induktionskochfeldern nicht heiß!
Es gibt zwar durchaus induktionsgeeignetes Kochgeschirr aus diesen Materialien. Dieses Geschirr hat dann aber einen ferritischen Stahl- oder Edelstahlkern im Sandwichboden – sonst würde es auf der Induktionsplatte nicht heiß werden.

Eine Lösung für liebgewonnenes Kochgeschirr:
Möchten Sie vorhandenes Edelstahl- oder Aluminiumgeschirr wie den ikonischen Espressokocher oder einen Vintage-Bräter aus dickwandigem Aluguss, eine klassische Pastaiola oder das altgediente deutsche Topfset aus 18/10 Chrom-Nickel-Stahl auf einer Induktionsplatte benutzen, können Sie ganz einfach eine 3 bis 4 mm starke Platte aus einfachem S235JR auf Maß als „Adapterplatte“ unterlegen. Die dünne Adapterplatte funktioniert jetzt exakt wie eine altmodische, gusseiserne Elektro-Herdplatte. Sie gibt ihre Hitze durch klassische Wärmeleitung an den Boden des Aluminium- oder Edelstahltopfs ab.

Fazit: Der Magnet ersetzt kein Materialzeugnis.

Der Magnet-Test ist ein schnelles Hilfsmittel, um im Schrottcontainer Eisen von Aluminium zu trennen. Aber die magnetischen Eigenschaften sind kein verlässlicher Indikator für eine bestimmte Legierung oder die Korrosionsbeständigkeit von Edelstahl. Fragen Sie uns – wir kennen die Legierungen, die wir anbieten, und helfen Ihnen gerne weiter!

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    Kai

    Naturwissenschaftler & Metall-Enthusiast. Kai verbindet naturwissenschaftliches Wissen mit einer echten Hands-on-Mentalität. Die Liebe fürs Selbermachen begleitet ihn schon sein Leben lang. Heute setzt er in seiner gut ausgestatteten „Brutzelbude“ vor allem Projekte im Bereich Metallbearbeitung und erneuerbare Energien um. Den Ausgleich zur Werkstatt findet er draußen in der Natur: beim Klettern oder beim Camping.

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    One thought on “„Ist Edelstahl magnetisch?“ – Alles über magnetische Metalle & Bleche”

    1. Eine sehr gute Beschreibung, daß Edelstähle unter gewissen Bedingungen magnetisch sein können.
      Ein weiterer Grund ist, neben der verformungsbedingten Gefügeveränderung, ist z.B. zu schnelles, sprich zu heißes Schweißen, da dann ebenfalls eine Gefügeänderung stattfinden kann. Unabhängig von den magnetischen Eigenschaften, kann sich an solchen Schwei0nähten auch Rost bilden.

      1. Hallo und vielen Dank für den Kommentar!
        Korrekt, beim Schweißen kommt es zu Gefügeänderungen. Die Schweißzusätze bringen Legierungselemente wie Chrom, Molybdän, Silizium, manchmal sogar Niob in die Schweißnaht ein, die eigentlich die Korrosionsbeständigkeit erhalten und auf der anderen Seite Heißrisse verhindern sollen. Daher ist durchaus erwünscht, dass sich im Gefüge etwas Delta-Ferrit bildet. Bei falscher Wärmeführung erhöhen diese Zusätze jedoch den Delta-Ferrit-Anteil und verstärken damit ungewollt den Magnetismus.
        Aus dem Grunde streben wir natürlich danach, die Schweißnähte z. B. an unseren Wannen so „kalt“ wie möglich auszuführen, um die guten Legierungseigenschaften des Grundmaterials möglichst wenig zu beeinträchtigen. Gegen Korrosion wird die Naht und der umgebende Materialbereich zuletzt noch elektrochemisch passiviert.

        Würde Sie ein Artikel interessieren, wie wir rostfreien Stahl schweißen und nachbehandeln?

        VG
        Kai von metallparadies.de

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